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Was ist SIBO – und warum merkt man es oft zuerst am Bauch?

Veröffentlicht: 06.09.2026 1 Min. Lesezeit
Kurz gesagt

SIBO heißt: Im Dünndarm leben mehr Bakterien, als dort hingehören. Typisch sind Blähbauch nach dem Essen, Krämpfe und wechselnder Stuhlgang. Die Diagnose ist unter Fachleuten umstritten.

Was uns als normal verkauft wurde

„Blähbauch hat jeder mal.“ Stimmt. Deshalb landet ein Bauch, der seit Monaten jeden Abend spannt, oft in der Schublade „empfindlicher Magen“ – und bleibt dort, statt einmal richtig angesehen zu werden.

Die ehrliche Erklärung

Der Dickdarm ist dicht besiedelt, das gehört so. Der Dünndarm dagegen ist vergleichsweise bakterienarm, weil Magensäure, Galle und die Eigenbewegung des Darms ihn ständig freiräumen. Wenn dieses Freiräumen nachlässt, siedeln sich dort Bakterien an, die weiter unten unauffällig wären.

Diese Bakterien vergären Kohlenhydrate schon im Dünndarm. Dabei entsteht Gas – und zwar früher und an der falschen Stelle. Daher das Muster: Der Bauch ist morgens flach und wölbt sich im Lauf des Tages, oft nach Brot, Zwiebeln, Hülsenfrüchten oder Milchzucker. Dazu können Krämpfe kommen, Durchfall, Verstopfung oder ein Wechsel aus beidem.

SIBO tritt selten grundlos auf. Häufig steckt etwas dahinter, das die Darmbewegung bremst: eine zurückliegende Magen-Darm-Infektion, Verwachsungen nach Operationen, bestimmte Grunderkrankungen, manchmal Medikamente. Gemessen wird meist mit einem Atemtest, bei dem Wasserstoff und Methan in der Ausatemluft bestimmt werden. Dieser Test gilt als unscharf: Er übersieht Fälle und schlägt auch dann an, wenn kein SIBO vorliegt. Ein Teil der Gastroenterologie hält die Diagnose deshalb für zu großzügig gestellt.

Was man oft hört – und was stimmt

„SIBO hat fast jeder mit Reizdarm.“
Unklar. Die Überschneidung ist real, die genannten Zahlen schwanken je nach Testmethode enorm.

„Man erkennt es am Blähbauch.“
Nein. Ein Blähbauch hat viele Ursachen. Er ist ein Hinweis, kein Beweis.

„Das reguliert sich mit der richtigen Ernährung von allein.“
Meist nicht. Eine Ernährungsumstellung kann Beschwerden lindern, beseitigt aber nicht die Ursache dahinter.

„Da hilft nur ein Antibiotikum.“
Nicht pauschal. Was sinnvoll ist, hängt vom Befund ab – und gehört in ärztliche Hand.

Einordnung

SIBO ist keine Diagnose, die man sich selbst stellt, und keine, die man im Internet ausschließt. Wer über Monate einen Bauch hat, der jeden Abend spannt, sollte das gastroenterologisch abklären lassen – auch, um andere Ursachen auszuschließen.

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