Du sitzt auf einer griechischen Insel, alles ist gut, und dann siehst du ihn: den kleinen Eimer mit Deckel neben der Toilette. Daneben ein laminiertes Schild in vier Sprachen. Bitte kein Papier ins Klo.
Für viele Reisende ist das der befremdlichste Moment des Urlaubs. Dabei ist es kein Sonderfall, sondern Alltag für Millionen Haushalte.
Wo das Papier nicht ins Klo darf
Am bekanntesten ist Griechenland, inklusive Kreta und der meisten Inseln. Genannt werden außerdem die Türkei, Portugal, Bulgarien, Nordmazedonien, Montenegro, die Ukraine sowie ländliche Regionen und Inseln in Spanien.
Wichtig: Das ist keine Landesgrenze, sondern eine Hausfrage. In einem Neubau in Athen spülst du ganz normal, in der Pension drei Straßen weiter nicht. Es gilt, was im Bad steht.
Warum die Rohre streiken
Es liegt selten am Papier. Es liegt an den Leitungen.
Abwasserrohre sind dort teilweise deutlich enger als bei uns. Der Hellas Blog nennt 70 Millimeter Durchmesser gegenüber 100 Millimetern, die in Deutschland vorgeschrieben sind. Dazu kommt das Gefälle: Ist es zu steil, läuft das Wasser schneller ab als das Papier. Das Papier bleibt liegen, trocknet an und wird mit der Zeit zum Pfropfen.
Und dann gibt es Häuser, die gar nicht an einer Kanalisation hängen, sondern an einer Sickergrube. Die verstopft genauso.
Woran du es im Bad erkennst
Drei Hinweise, in dieser Reihenfolge:
Der Eimer. Steht ein geschlossener Behälter direkt neben der Schüssel, ist das die Antwort. Niemand stellt ihn zur Deko dorthin.
Das Schild. Meist über der Spülung, meist mehrsprachig, oft handgeschrieben.
Die Beschaffenheit. Alte Häuser, kleine Inseln, Pensionen mit vier Zimmern: eher Eimer. Hotelneubau: eher nicht.
Im Zweifel den Eimer nehmen. Der Fehler in diese Richtung kostet nichts.
Was passiert, wenn du trotzdem spülst
Einmal geht meistens gut. Eine Woche lang mit sechs Leuten im Ferienhaus geht oft nicht gut.
Das Ergebnis ist dann keine Katastrophe, sondern eine verstopfte Leitung, ein Handwerker und ein Gespräch, das niemand im Urlaub führen möchte. Auf kleinen Inseln kommt dazu, dass Abwasser teils abgesaugt und abtransportiert wird. Das ist der eigentliche Grund für die Strenge: Es ist teuer.
Der Teil, über den niemand redet
Die Diskussion dreht sich immer um die Entsorgung. Selten darum, warum überhaupt so viel Papier anfällt.
In der Türkei gehört der Wasseranschluss am WC, Taharet genannt, seit Langem zur normalen Badausstattung. In Japan, Südkorea und großen Teilen Südasiens ebenso. Dort ist Papier nicht das Reinigungsmittel, sondern höchstens das Handtuch danach.
Anders gesagt: Das Schild neben der Toilette ist kein Zeichen von Rückständigkeit. Es ist der Hinweis darauf, dass an dieser Stelle der Welt jemand eine andere Lösung gefunden hat als Zellstoff.
Und wenn du unterwegs Wasser willst
Dafür braucht es keine Installation. Eine Flasche mit Düse, 450 Milliliter, Druck über den Handballen. Füllen, benutzen, trocken tupfen. Das Papier, das dann noch anfällt, passt locker in jeden Eimer.
Wer es einmal auf Reisen probiert hat, stellt meistens die Frage von der anderen Seite: nicht, wohin mit dem Papier, sondern warum überhaupt so viel davon.